Party der Verlorenen. Generation Y(OLO).

YOLO

Generation Y. Generation dazwischen. Generation unentschlossen. Namen gibt es für uns viele, Klischees fast noch mehr. Doch wer steckt eigentlich hinter dieser Schublade? Wer sind wir eigentlich, die wir dieser Generation von Mitte 20 bis Anfang 30 angehören? Was wollen wir? Wovor haben wir Angst? Was treibt uns an?

Um ehrlich zu sein, ich habe absolut keine Ahnung! Man sagt uns nach, wir seien die Generation, die alles kann, der die Welt zu Füßen liegt und für die jeder Tag die reinste Party sein könnte. YOLO, Friede, Freude, Eierkuchen, Tanz durchs Blumenbeet und so. Hindernisse gibt es nicht und wenn, sind sie lediglich dazu da, um überwunden zu werden. Das haben wir schon früh gelernt, wie ein Mantra ist uns dieser Leitsatz praktisch mit der Muttermilch eingeflößt worden. Schließlich sollten wir es doch einmal so viel besser haben als unsere Eltern, jene Generation, die für ihr Glück noch hart arbeiten musste. Nein, uns sollte es da schon besser gehen. Uns hat man das Heilsversprechen gleich mit in die Wiege gelegt. Und was sollte daran schließlich schon falsch sein?

Doch hinter all dem schönen Schein verbirgt sich eine fiese Fratze. Überfordert mit den unzähligen Möglichkeiten, die sich uns permanent aufdrängen, fühlen wir uns oft einsam, allein gelassen und irgendwie auch ziemlich verloren. Nur, weil wir theoretisch alles tun könnten, bedeutet das nämlich noch längst nicht, dass wir es auch tatsächlich umsetzen. Stattdessen stecken wir viel zu oft in unserer eigenen Antriebslosigkeit fest – oder haben wir es uns darin womöglich sogar ein wenig zu bequem gemacht? Wir reden von großen Plänen, von Träumen, von Wünschen und scheitern am Ende oft schon am ersten Schritt. Prokrastinieren statt realisieren, lautet die Devise. Schließlich ist es immer leichter die To Do-Liste zu schreiben, als sie tatsächlich abzuhaken. Nur sind wir wirklich so faul oder vielleicht an dem Punkt, an dem unsere eigenen Desillusionierung jede Lüge von der schönen, heilen Blase schluckt? Irgendwie sehen wir vor lauter Bäumen doch längst den Wald nicht mehr. Jeder Tag gleicht einem Gang durch ein unendliches Labyrinth, unsere Energie verpufft im Versuch die Orientierung darin nicht zu verlieren. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt auf allen Partys gleichzeitig zu tanzen, dass wir gar nicht mehr damit klarkommen, wenn die Musik einmal aus ist. Die Stille macht uns Angst, denn erst durch sie bemerken wir das stetige Rauschen, das sich eigentlich schon seit Jahren in unserem Kopf eingenistet hat. Jenes Rauschen, das sich anfühlt, wie ein lähmender Kater gegen den keine Aspirin der Welt mehr hilft.

Und ehe wir uns versehen haben wir die Musik wieder angeschaltet, entern die nächste Party mit einem Drink in der Hand. Mit ein wenig Glitzer wird schließlich alles leichter. Wozu denken, wenn man tanzen kann? Denn nachts sind alles Katzen grau und in der Dunkelheit sieht niemand deine Traurigkeit. Und manchmal, wenn ein Lichtstrahl kurz die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung streift, glauben wir zu erkennen, dass es ihnen auch nicht anders geht als uns. Auch sie tragen Grübelfalten auf der Stirn, ihre Lider zucken nervös und auch sie tragen diese unendliche Melancholie auf ihren Schultern. Doch zum schönen Schein gehört es nun einmal dazu, dass wir davon nichts wissen wollen. In unserem Mitleid haben wir gefälligst selbst zu baden. Schließlich haben wir doch keinen Grund uns zu beschweren. Uns hat man es immer leicht gemacht. Das wir mit unserer eigenen Verwöhntheit nicht klarkommen, ist am Ende unser Bier.

In diesem Sinne: Schöne neue Welt!

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