Coole Age. Joan Didion für Céline

Joan Didion

Jugend als allgegenwärtiges Credo der Mode? Dieses Sujet hat schon seit einer Weile ausgedient. Längst haben die kreativen Köpfe aus Marketing und Werbung erkannt, dass das „stetig Schöne“ den Betrachter irgendwann langweilt. Differenzierung muss her, gerne auch Andersartigkeit genannt. Während Unternehmen wie Dove oder diverse Lingerieunternehmen „normale“ Frauen für sich entdeckt haben, deren Kleidergröße sich jenseits von Size Zero und 34/36 bewegt, hat die Modeinsdustrie das Alter für sich entdeckt. American Apparel und & other Stories sind nur zwei große Labels, die in letzter Zeit vor allem dadurch Aufmerksamkeit erhalten haben, weil sie Damen weit jenseits der 50 als Gesichter ihrer Kampagnen präsentierten… und auch auf anderer Ebene erfahren modische Urgesteine wie Iris Apfel seit Längerem schon einen wahren Hype.

Nun hat auch das französische Traditionshaus Céline hat den konventionellen Models eine Absage erteilt. Die aktuelle Kampagne ziert stattdessen niemand Geringeres als Joan Didion – natürlich in Szene gesetzt von Starfotograf Jürgen Teller.  Und die Wahl kommt mit Sicherheit nicht von ungefähr. Didion gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen und Publizistinnen unserer Zeit. Neben ihren zahlreichen Kolumnen und Texten für The New Yorker und die VOGUE veröffentlichte sie eine Vielzahl an literarischen und wissenschaftlichen Bücher. Darunter den autobiographischen Roman ”The Year of Magical Thinking”, in dem sie den Tod ihres Ehemannes, Schriftsteller John Gregory Dunne, verarbeitet und für den sie 2005 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Eine Frau mit Intellekt und Geist für eine Marke, die wie kaum eine andere Zeitlosigkeit und schlichte Eleganz verkörpert und dennoch genau das Begehren der Gegenwart trifft. Die Kombination könnte nicht besser passen, verdeutlicht sie doch einmal mehr, dass Mode bei Weitem nicht nur die schöne äußere Hülle sein muss, die man sich zur Kostümierung überstreift. Sie kann das Wesen unterstützen und den eigenen Charakter nach außen transportieren.

Natürlich sollte bei aller Lobhudelei nicht vergessen werden, dass dahinter, wie oben bereits erwähnt, am Ende ein paar ziemlich kreative Marketingköpfe stecken, die wissen, dass Irritation der wohl beste Garant für Aufmerksamkeit ist. Das Spiel mit unserer Erwartungshaltung ist es nämlich am Ende, dass uns zwei Mal hinschauen und vielleicht sogar über die Dinge sprechen lässt. Trotzdem steckt genau in diesem Moment gleichzeitig auch immer ein Hauch des Emanzipatorischen. Denn erst, wenn die Fassade der Repräsentation und die Aufführungspraktiken des herrschenden kulturellen Wissens aufgebrochen werden, wird es möglich die Verschiedenheit hinter den Codes zu erkennen und das vermeintlich Andere als das Schöne wahrzunehmen. Altern ist nämlich weder eine Krankheit noch ein Makel, wie unser, zugegeben, nicht ganz gesunder Drang nach Jugendlichkeit und weiß machen will. Es ist der natürliche Lauf des Lebens, von dem wir alle wahrscheinlich besser täten, wenn wir ihn entspannt akzeptieren, statt ihn mit aller Gewalt und dem Versuch der Ignoranz zu bekämpfen. Denn Würde, Charakter und Intellekt sind am Ende doch bei Weitem besser, als die karikatureske Kunstfratze unseres Selbst.

In diesem Sinne: Alter vor Schönheit!

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