Webhearts: What my Daughter wore

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Man nehme eine Elfjährige mit einem, für ihr Alter, sehr ausgeprägten Stilgefühl und eine Mutter, die von Beruf Illustratorin ist: das Ergebnis des Ganzen ist ein Blog, der mit einem Schlag das Netz erobert. Auf „What my Daughter wore“ dokumentiert die New Yorkerin Jenny Williams seit 2011 nun schon den manchmal etwas eigenwilligen Kleidungsstil ihrer Tochter Clementine sowie deren Schwester und FreundInnen. Denn die jungen Damen kommen mit Oversizeblazer, Bikerboots und Band-Tshirt nicht nur meist ziemlich stilsicher und modisch versiert daher. Die unzähligen liebevoll angefertigten Zeichnungen visualisieren zugleich auch den Einfluss, den Popkultur und Medien (besonders in Großstädten) von Kindesbeinen an auf den Nachwuchs ausüben.

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Während meine Generation, eine ist, die eigentlich erst mit Anfang Zwanzig verstanden hat, wie das mit der Mode eigentlich funktioneirt und dementsprechend so einige textile Leichen im keller versteckt hält, probieren sich die Kids heute schon aus, kaum, dass sie aus dem Puppealter raus sind. Spannend auf der einen Seite, irritierend auf der anderen, wenn man bedenkt, wie schnell das „Erwachsenenleben“ mit all seinen Konventionen und Anforderungen heute bereits Einzug in die Kinderzimmer hält. Wir, damit meine ich unsere auf Konsum basierende Gesellschaft, feiern die Jugend als unser höchstes Gut, wollen tief in uns drin durch Kleidung, technische Gadgets und hippe Jobs alle kleine Peter Pans bleiben und nehmen sie damit am Ende doch vielleicht genau jenen, denen sie eigentlich zusteht. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob wir mit den Geistern, die wir mit unserem Drang einer Demokratisierung von Mode riefen, überhaupt umgehen können. Der Zwang zu gutem Stil scheint allgegenwärtig in einer Welt, die von einer Hegemonie von Streetstyles und Trendaffinität geprägt ist. So wird schnell selbst ein durchschnittlicher Wochentag zum Fashionevent, bei dem wir dem kritischen Blick unserer Mitmenschen trotzdem müssen. Trotzdem oder gerade deshalb scheint ein so unprätentiös daherkommendes Blog wie „What my Daughter wore“ die Spielregeln umzukehren. Statt Inszenierung steht das Spontane im Vordergrund, eine mit dem Buntstift fixierte Momentaufnahme des täglichen Lebens. Irgendwie ist es doch auch so, dass jede Generation von Jugend ein ganz eigenes, in sich geschlossenes Konstrukt ist. Und vielleicht ist der implizite Wunsch nach dem frühen Erwachsensein am Ende eben doch nur ein Spiel, nur eines ohne Puppen, ferngesteuerte Autos und Co.

Jenny Williams jedenfalls, will mit ihren Illustrationen der Flüchtigkeit der Zeit entgegenwirken und für sich und ihre Tochter ein Stück Erinnerung festhalten. Dass die Netzkultur rund um den Globus daran ebenso Gefallen findet, ist dabei ein schöner Nebeneffekt, den das Time Magazine 2013 mit Platz 25 der beliebtesten Blogs des Jahres würdigte.

In diesem Sinne:

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