Sonntagshelden: Lena Dunham

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Diesen Artikel habe ich ursprünglich für Supreme Mag geschrieben, wo er in unserer wöchentlichen Rubrik „Krempel der Woche“ erschienen ist. Nichtsdestotrotz kann ich es mir nicht verkneifen, ihn zusätzlich noch einmal hier zu veröffentlichen, handelt er doch von einer Frau, die wie kaum eine andere im Moment das öffentliche und mediale Interesse auf sich zieht. Und auch ich bin ihrem Witz und Geist irgendwie verfallen, sodass ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskomme.Die Rede ist von Lena Dunham, eine junge Frau, die meiner Generation entstammt und nach außen irgendwie so wirkt, als sei die der Inbegriff eines Multitalents. Umso mehr freue ich mich außerdem, eine erste Neuerung auf Nanatique zu präsentieren. In der Rubrik „Sonntagshelden“ werde ich ab jetzt in regelmäßigen Abständen den Blick auf Personen werfen, die mich faszinieren und begeistern.

Angefangen hat alles mit der ersten Episode der HBO-Serie GIRLS in der auf einmal diese Frau, die wirklich in keinster Weise dem gängigen Schönheitsideal entspricht, über die Leinwand hopste, leicht verquer, ohne jegliche Scham sich ihrer Kleider zu entledigen und direkt einmal leicht verstörenden Sex mit einem durchgeknallten Künstlertypen namens Adam hat. Et voilà, ein Hype war geboren! Von da an wurde eifrig jede Folge geschaut und bei jedem Schritt des Serien-Alteregos Hannah und deren Freundinnen mitgefiebert. Und nicht nur mir ging es damals so, das war schnell klar. Mit einem Schlag war Miss Dunham, die eben nicht nur die prägnante Hauptfigur in GIRLS spielt, sondern mal eben auch ganz nebenbei Regie, Drehbuch und Produktion übernahm, in aller Munde. Das hat sich bis heute nicht geändert, im Gegenteil, der Hype scheint sich dagegen sogar noch um ein vielfaches potenziert zu haben. Inzwischen läuft bereits die 3. Staffel der Erfolgsserie, Lena Dunham tourt am laufenden Band durch die Talkstudios der US-Nation, zierte kürzlich erst das Cover der US amerikanischen Vogue sowie das der Aprilausgabe der Glamour und schreibt derzeit fleißig an einem Buch, auf das wir uns angeblich schon gegen Ende des Jahres freuen können. Lena Dunham ist überall und ich finde das ehrlich gesagt richtig toll!

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Doch was ist es eigentlich, dass diese Mittzwanzigerin für eine ganze Generation so anziehend macht? Wie oben schon erwähnt, entspricht besagte Dame nicht wirklich dem gängigen Schönheitsideal. Doch während die meisten von uns wegen des ein oder anderen Pfundes auf den Hüften zu theatralischsten Ausbrüchen neigen, scheint dieser Frau der ganz Hype um Magerwahn und „the gap“ so ziemlich egal zu sein. Lena Dunham steht zu ihren Pfunden und feiert sie regelrecht, auf eine grundlegend ehrliche Weise, die unserem medial verzerrten Blick gehörig Paroli bietet. Keine GIRLS-Folge, in der sie nicht genüsslich am Eis schleckt, in den Bagel beißt oder Süßigkeiten nascht. Selbst die Debatte um die Retusche ihrer Vogue-Fotos auf denen dank Photoshop paar Pfunde purzelten und diverse Dellen geschönt wurden, lässt Dunham kalt. Stattdessen erklärt sie im Videointerview mit Bill Simmons völlig unbeeindruckt:

„I was kind of scared to see the un-retouched images of me, I was like, maybe I’m delusional and I don’t look how I think I look. And it was like—they smoothed a line here, and shaved a line on my neck. It was the most minimal retouching. I felt completely respected by Vogue…“

Am Ende legt sie sogar noch einen oben drauf und tanzt munter mit dem bekannten Fashioneditor Harmish Bowles durch die Geschichte der Vogue-Modelposen. Ich hatte das Video auf Facebook bereits gepostet, meine herzallerliebste Freundin und Kollegin Lola hat sich hier ausführlicher darüber ausgelassen.

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Es ist beinahe schon absurd, scheint diese Frau, die tatsächlich nur ein paar Monate älter ist als ich, stets das auszusprechen, was wir alle denken und, naja, uns irgendwie auch wünschen. Ja, vielleicht ist es sogar genau das, was das Phänomen Lena Dunham ausmacht. Wenn man sie so sieht, findet man sie irgendwie auf Anhieb sympathisch. Sie wirkt offen, kommunikativ und vor allem, versteckt sie ihre eigenen Makel nicht, sondern kokettiert gekonnt mit ihnen, um jeden Kritiker auf diese Weise von vornherein mundtot zu machen. Die großäugige Brünette lebt und genießt, das sieht man ihr an. Gleichzeitig steckt hinter der manchmal niedlich bis fast schon kindlichen Hülle eine hochintelligente Frau und ein ungeahntes Arbeitstier. Dunham, deren Eltern ebenfalls aus dem künstlerischen Bereich stammen, hat mit 27 ein Pensum an kreativen Ergüssen vorgelegt, von dem andere wohl selbst mit 50 noch träumen können. Und ganz nebenbei hat sie mit alledem auch noch Erfolg. Ja, fast scheint es so, als gäbe es tatsächlich nichts, was diese Frau nicht kann. Sie scheint das Sinnbild der sogenannten Generation Y, oder inszeniert ihre Rolle in GIRLS zumindest so. Gezeichnet von der Last der omnipräsenten Entscheidungsfreiheit eröffnet sich erst der Blick auf das permanente Spannungsverhältnis aus Motivation und Lähmung, Eifer und Antriebslosigkeit. Meiner Generation stehen alle Türen offen, doch genau deshalb bleiben sie uns oft verschlossen. Oder anders ausgedrückt: Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Genau an diesem Punkt zeigt Lena Dunham uns, dass es auch anders geht. Raff dich auf, höre auf dein Herz und entscheide dich für genau das, was deine innere Stimme dir sagt. Sie versauert nicht in einem schnöden Bürojob, sondern hat für sich etwas gefunden, in das sie all ihre Leidenschaft legen kann. Trotzdem präsentiert sie sich nicht als knallharte Karrierefrau, die mit der To Do-Liste aufsteht und abends wieder ins Bett geht. Sie wirkt stattdessen wie das nette Mädchen von nebenan, wie die Freundin, mit der wir nachts einen Wein zu viel trinken, bei Bedarf ganze Eisbecher verdrücken oder auch einmal philosophisch über die Welt schwadronieren können.

Ihr könnt es drehen wie ihr wollt und mir gerne auch widersprechen, aber für mich ist Lena Denham die Stimme meiner Generation. Die Frau, die uns allen zeigt, das alles möglich ist, wenn man nur will und dass wir endlich wieder einmal lernen sollten der Welt mit offenen Augen entgegenzutreten, auch um uns endlich von den uns selbst auferlegten Fesseln und Konventionen zu befreien.

In diesem Sinne: Lena Dunham, das ist meine Hommage an dich!

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