Moviewatch: Only Lovers left Alive

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Bilder via Pandora Film

Jim Jarmusch, Held und Rebell des amerikanischen Independentkinos zugleich. Stranger than Paradise, Permanent Vacation und Mister Train, sind nur drei seiner Filme, der DVDs seit Jahren einen festen Platz in meinem Regal haben. Nun präsentiert der Herr mit dem weiß-blondem Haar endlich seinen neuesten Streich. Mit Only Lovers left Alive holt Jarmusch die Vampire auf die Leinwand. Klischees und unnötigen Kitsch, á la Twiglight sucht man glücklicherweise her vergeblich.

Adam (Tom Hiddelston) und Eve (Tilda Swinton), ein Paar deren Liebe die Zeit überdauert. Im 18. Jahrhundert die 3. Hochzeit, ein echter Liebesbeweis, wenn man bedenkt, dass ihr Leben ewig dauert. Über Jahrtausende hinweg wandeln die zwei Vampire auf der Erde, mal zusammen, mal getrennt, jedoch immer seelisch miteinander verbunden. Aber auch der vermeintliche Traum der Unsterblichkeit kann zur Qual werden, wenn man dabei zusehen muss, wie Kultur und der Bezug zur Natur den Menschen  um einen herum abhanden kommt. Zombies, so nennt Adam diese Spezies, die es nicht einmal schafft auf ihr eigenes Blut, das Elixier ihres Lebens, zu achten und es stattdessen verseuchen. Neben der tiefen Leidenschaft für die Musik, hält ihn in diesen tristen Zeiten nur noch die Liebe zu seiner Frau Eve am Leben, die leider derzeit am anderen Ende der Welt ihr Dasein fristet. Als Adams Unmut schließlich so groß zu werden droht, dass er mit dem Gedanken spielt, sich selbst ein Ende zu setzen, fliegt Eve kurzerhand per Nachtflug von Tanger zu ihrem Geliebten nach Detroit. Als fände jeder von beiden damit sein fehlendes Puzzleteil wieder, verbringen die beiden ungestörte Moment der Zweisamkeit. Die Welt um sie herum blenden sie dabei völlig aus, brauchen sie doch nichts als sich selbst, die Musik, Literatur und ein wenig Blut, um vollkommen zu sein. Dann taucht unvermittelt Eves jüngere Schwester Ava auf und die Idylle gerät ins Wanken.

"only lovers left alive"

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Mit einem zwischen Romantik und Nüchternheit changierenden Blick zeichnet Jim Jarmusch ein wunderbares Porträt zweier Liebender, deren Bande sich über die Zeit hinwegsetzen. Adams und Eve, könnten so alt sein wie die Menschheitsgeschichte, auch wenn Jarmusch unlängst vertäten hat, dass zwei Romanfiguren fernab der Bibel der Namensvorlage dienten. Trotzdem scheint es, als hätten diese beiden Schattenwesen die gesamte Kultur des menschlichen Geistes in sich aufgesaugt. Während Eve sich vornehmlich der Literatur verschrieben hat, ist es die Musik, die Adam am Leben hält. Umso stärker wirkt daher der Bruch zu ihrer Außenwelt. Im Setting einer verfallenden Stadt, erscheinen die beiden, fast als die einzigen, die sich ein Bewusstsein bewahrt haben. Dagegen sind es dir Menschen, die wie seelenlose Hüllen wirken – wie Statisten einer Welt, in der ihre Existenz ohnehin nur endlich scheint.

Tilda Swinton habe ich bisher selten so cool in einer Rolle gesehen. Als wolle sie das Publikum bezirzen, ziehen sie und die scheinbar endlos rotierende Platte die Zuschauer in einen Sog. Tom Hiddelston erscheint dabei als ihr perfekter Gegenpart, der den ganzen Weltschmerz in sich aufgesogen zu haben.

Only Lovers left Alive offenbart sich wie visuelles Gedicht auf der Leinwand. Musik und Bild schaffen und tragen die Atmosphäre, Sprache ist dabei nur zweitrangig. Und so ist es schwer, diesen Film richtig in Worte zu fassen. Jarmusch neuestes Werk ist ein Gefühl, eine Aura, eine Harmonie, die sich in zarten Klängen über einen legt.

In diesem Sinne: Von Unsterblichkeit, Kultur und Musik.

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