40 Days of Dating – Liebe als Webprojekt

40days of dating

2 Freunde, 1 Ziel, 40 Tage: Timothy Goodman und Jessica Walsh sind gute Freunde, leben beide in New York, arbeiten in der Kreativbranche und haben das Singleleben gehörig satt. Genug mit all den Spielereien, den Fröschen und Fehlgriffen. Sie wollen sich endlich verlieben. Und wieso eigentich nicht ineinander? Kann aus der der guten Freundschaft zweier Menschen mit ein paar Kniffen vielleicht tatsächlich so etwas wie Liebe werden? Das wollen beide wissen und starten das Projekt „40 Days of Dating„.

40 Tage lang treffen sich Jessica und Timothy täglich, kochen, essen, reden und lachen miteinander, haben auch mal schlechte Tage und streiten sich. Parallel, und das ist das Spannende, kann das Web die beiden bei ihren Dates verfolgen. Auf dem eigens für das Projekt eingerichteten Blog lässt jeder für sich, den Tag jeweils noch einmal Revue passieren, steht Rede und Antwort zum Date und postet dazu Fotos, Gegenstände und Textmessages, die sie mit damit jeweils verbinden. Was der eine über den anderen schreibt, das bleibt bis zum Ende des Projekts geheim. Denn keiner von beiden möchte sich davon beeinflussen lassen. Gespickt sind die 40 Tage außerdem mit der ein oder anderen Regel, wie etwa der Vorgabe, dass Timothy und Jessica pro Woche mindestens 3 Dates, also Verabredungen außerhalb der eigenen Wohnung, haben müssen oder dass Dating und Sex mit anderen absolut tabu sind. Ebenso besuchen sie ab einem bestimmten Zeitpunkt einmal pro Woche einen Paartherapeuten oder bewältigten tageweise kleine Challenges, wie den „Handholding Day“ (Tag 33). Beide werden diesen später als ihren Lieblingstag angeben.

Für Leser und Fans des Projekts entfaltet sich währenddessen eine ganz persönlich Liebesgeschichte in Echtzeit. Wir erfahren, was die beiden fühlen, wie sich der Blick für den anderen schärft und in welchen Punkten sie auf einmal beginnen, sich in einem anderen Licht zu betrachten. Sie lernen so manche Macke des anderen zu schätzen, andere bringen sie dagegen so manches Mal schier um den Verstand. Besonders spannend sind jene Momente, in denen Meinung und Charakter auseinander zu driften scheinen. So beschreibt Jessica die ihre Sicht auf den Abend des 31. Tages folgendermaßen:

„We enjoyed a few cocktails with our friends. It was a wonderful night. On our way out of the restaurant, we were all a little tipsy. I told Tim how hungry I was, and next thing I knew he swiped a bag of granola off the shelf. We laughed about it, but I did feel pretty guilty about it. I insisted on going back and returning it. Tim reassured me that we’d go back for brunch together and leave an extra large tip instead. (…) We finally gave up on finding a taxi and hailed a Gypsy cab. We held each other and kissed the entire cab ride back to my place.“

Timothys dagegen:

„After the Gala, we met up with some friends for a drink at a spot in NoHo. As we were leaving, Jessie and I stole some oatmeal from this place. It was hilarious! She and I had a fun time and a good laugh. I was such a klepto as a teenager. (…) We’d come home with a garbage bag full of cigarrettes, cigars, beer, wine, rolling papers, candy bars, candles, anything we could party with. I was such a little dust-kicker. Anyway, even though those days are long gone, I love that Jessie can still bring a part of my youth out (even when it involves breaking the law). We had a good night.“

Während sie fast schon wie eine Frischverliebte schwärmt, erinnert er sich stolz an seine Jugend. Vielleicht zeichnet sich dort schon ab, was 40 Tage später leider traurige Gewissheit wird. Das Experiment endet in Disney Land. Das Märchen bleibt allerdings aus. Die beiden müssen sich eingestehen, dass es am Ende doch nicht für die große Liebe gereicht hat. Naja, nicht ganz: Jessica hat es schon ein wenig erwischt. Timothy jedoch empfindet nach wie vor nur freundschaftlich für sie. Doch was wird aus Freunden, zwischen denen auf einmal mehr war? Kann man einfach so mir nichts dir nichts alles ad acta legen und zurück zum Anfang? Es sei nicht ganz leicht, geben beide an. Das Ganze sei nun einmal auch ein Spiel mit dem Feuer gewesen. Trotzdem wollen sie es versuchen. Und wir drücken ihnen die Daumen. Schließlich realisieren wir alle doch an irendeinem Punkt im Leben, dass ein guter Freund am Ende meist doch ein längeres Haltbarkeitsdatum hat, als der Partner.

Übrigens plant Hollywood derzeit die Verfilmung von Jessicas und Timothys Geschichte. Das daraus eine kitschige Liebesschnulze inszeniert wird, davor graut den Beiden.

In diesem Sinne. Dating als Projekt.

*Der Artikel ist übrigens vor ein paar Tagen auch auf Supreme Mag erschienen.

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