SIXX und MAXX, oder: Die Sache mit den Mädchen und den Jungs

maxx

Männer wollen Action, Frauen Herzklopfen und Schuhe. So in etwa lautet die Klischee erfüllende Formel des deutschen Privatfernsehens. Mit Pro7 MAXX ist gestern Abend um 20:12 Uhr der neueste Sender aus dem Hause Pro7Sat1Media AG on Air gegangen und tja, was soll man sagen: Hier setzt man wie früher im Sportunterricht auf die Trennung der Geschlechter. Während das seit einer Weile per Kabel zu empfangende Pendent SIXX, sich vornehmlich an eine weibliche Zuschauerschaft richtet und Serien wie „Sex and the City“, „Grey´s Anatomy“ und diverse Hochzeitsformate rauf und runter spielt, darf sich Mann ab jetzt also auf Pro7 MAXX an viel Geballer, schnellen Autos und starken Helden erfreuen. Dazu noch eine ordentliche Portion Politik und Thrill und fertig ist ein TV-Modell, das ein Michael Bay nicht besser hätte inszenieren können. Genderdebatte adé, wenn die Zukunft die visuelle Schwarz-Weiß-Trennung in männlich und weiblich vorsieht.

Man darf mich nicht falsch verstehen: Wenn ich mich zwischen den beiden großen Anbietern des deutschen Privatfernsehens entscheiden müsste, stünde ich bisher klar auf Seiten der ProSiebenSat1 Media AG. Die holt nämlich aus ihren Sendern das beste raus, was im deutschen Mainstream TV ebenso drin ist und versucht mit einzelnen Formaten sogar von Zeit zu Zeit sich am Inhalt der Öffentlich-rechtlichen anzulehnen. Prinzipiell finde ich auch, dass das Programm von PRO7 MAXX wirklich ambitioniert und vielversprechend klingt, zumal ein Teil des Programms in englischer Originalsnychro gesendet wird. Neben diversen Serien wartet vor allem auch die ein oder andere Leinwandperle auf ihre Ausstrahlung. Von der Integration diverser Dokus, meine heimliche Leidenschaft einmal ganz abgesehen. Und wahrscheinlich würde ich das ganze Thema grundsätzlich etwas entspannter sehen, wenn, ja wenn sich all diese bewegten Bilder laut Aussage nicht rein an Männer richten würden. Frei nach dem Motto: Mädchen müssen draußenbleiben! Uns charakterisiert man ohnehin wohl viel mehr als hübsch anzusehende Weibchen, die in ihrer Konsum- und Liebesgeilheit teilweise ziemlich hirnlos daherkommen. Während wir Carrie Bradshaw und Co. also dabei zusehen, wie sie Schuhe kaufen, dem Prinzen auf dem weißen Pferd hinterher schmachten und statt ihres eigenen Lebens eigentlich immer nur die Kerle im Kopf haben, begibt sich unsere andere Hälfte in die Tiefen politischer Verstrickungen und folgt mit Weitblick dem Weltgeschehen. Ist ja eigentlich auch logisch: Mann interessieren so niedere Dinge wie Shopping eben nicht und Frau, naja die sollte ihr hübsches Köpfchen nicht so sehr anstrengen, um all die vielen komplizierten Sachen, die da draußen in der Welt geschehen, zu verstehen. Was zum Teufel soll der Scheiß? Eine derartig plakative Absprache jeglicher Form von Intelligenz und Weitblicks sollte sich keine Frau auch nur ansatzweise bieten lassen!

Sixx

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Klar, weiß ich, dass dieses duale Senderprinzip nicht in erster Linie Frauen diskriminieren will, sondern schlichtweg den Versuch darstellt, durch zielgruppenorientiertes Fernsehen eine höhere Quote zu erreichen. Schließlich müssen ja auch die privaten Sendeanstalten irgendwo ihr Geld herbekommen. Sowieso dreht sich immer alles nur ums Geld. Nach den Mechanismen des Sixx-Maxx-Splittings funktioniert schließlich auch der Kapitalismus in seinen Grundzügen. Aber das ist ein anderes anderes Thema. Wir brauchen nun einmal Schubladen, um Raster zu schaffen, an denen wir Dinge glauben einordnen zu können. Das ist unser Versuch mit dem uns umgebenden Chaos klarzukommen. Das Offensichtlichste, ist dabei in der Regel das, was am Ende die meisten Leute erreicht. Nicht mehr und nicht weniger. Trotzdem muss man dabei nicht längst abgelutschte Genderklischees aus der Kiste kramen. Dass es auch anders und einen Hauch intelligenter geht, beweist in diesem Zusammenhang ausgerechnet der andere große Privatanbieter, die RTL Group. Die teilen ihre Sender jenseits von RTL, RTL2 und Co. nämlich auch in Spartenprogramme, nennen sie aber Nitro oder Crime und widmen sich einzelnen Genres, wie der Comedy oder dem Krimi. Das, meine lieben Herrschaften von ProSiebenSat1Media wäre eine gekonnte Art des Programmsplittings. Und nur damit sie Bescheid wissen, das Programm von Maxx klingt in meinen Augen um einiges spannender, als das des Mädchensenders SIXX. Als übermäßig maskulin veranlagt würde ich mich dennoch nicht bezeichnen.

In diesem Sinne: Weil Mädchen nur rosa mögen und Jungs nur blau.

2 Comments

  1. Amen. Und das soll jetzt gar nicht heißen, dass ich nicht einen ausgiebigen Sex and the City Marathon genießen könnte. Aber wie du schon sagst: Warum geht es hier nicht um Sparten a la „Heute habe ich mal Lust auf das, morgen auf das…“, als darum, überholte Stereotypen zu feiern? Selbst eine „grobe“ Ausrichtung fände ich noch okay, wenn Einspieler zwischen den Sendungen dem jeweils anderen Geschlecht nicht ständig vor die Nase halten würden, dass er/sie hier eigentlich (laut Sendermeinung) falsch am Platz ist…

    • LAURA

      Damit sprichst du mir aus der Seele. Auch ich habe die komplette Sex and the City Box daheim stehen. Aber daneben stehen nun einmal auch die Sopranos. Und was die Einspieler betrifft: Wer das Openingsequel gesehen hat, mit schwarzen Sportwagen gesehen hat, der dürfte wissen, wovon wir hier reden.

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