Wolkenverhangene Tage – Lethargie im Kopf

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Es gibt diese Tage, an denen hängst du irgendwie in der Luft. Weißt nicht vor, nicht zurück? Wandelst durch die Wohnung, von der Küche ins Wohnzimmer und zurück. Kaum sitzt du, bist du wieder in Bewegung und trittst dabei trotzdem auf der Stelle. Jeder Gang scheint eine dem Alltag geschuldete Pflicht. Wo sind die Höhen, wo die Tiefen? Du suchst nach den tiefen Leidenschaften, die dein Gemüt bewegen, du findest sie nicht. Deine Laune versinkt in Lethargie. Oder hast du heute vielleicht nur Angst sie dir bewusst zu machen? Weil du eigentlich genau weißt, dass dein Herz dir im Moment praktisch täglich bis zum Hals schlägt? Weil du deine Flucht vor dem Alltag, deine Blase, die dich von der Realität abgrenzt, eigentlich hier direkt vor deiner Nase sitzen hast. Im tiefsten Innern bist du momentan eigentlich doch ziemlich glücklich. So wie schon lange nicht mehr. Glück, allein, dass du dieses Wort überhaupt nur in den Mund nimmst: Vor einer gar nicht allzu langen Weile noch undenkbar. Aber dieser Begriff hat für dich ja ohnehin eine andere Bedeutung, als für die meisten um dich herum. Und trotzdem, heute siegt die Langeweile, die Apathie, diese dumpfe unbestimmte Stimmung.

Du könntest das jetzt alles auf das Wetter schieben. Auf die Tatsache, dass dir an diesen Tagen wieder einmal bewusst wird, dass die Zeit nicht stillsteht und jeder Wandel auch das Ungewisse beinhaltet. Dann kocht sie wieder hoch, die Sorge jenes zu verlieren, dass dir doch so wichtig ist oder festzustellen dass du eine wichtige Chance hast vorbei ziehen lassen. Aber an solchen Tagen tendierst du nun mal auch zum Grübeln, das weißt du. Wenn du dich jetzt nicht komplett runterziehen willst, hörst du damit besser ganz schnell auf. Ohnehin sind all diese Gedanken maximal eine Folge deiner Laune, aber bestimmt nicht ihr Grund. Denn ehrlich gesagt, eine wirkliche Ursache gibt es schlichtweg nicht. Als du heute Morgen aufgestanden bist, hast du dich eben dazu entschieden in diese Stimmung zu schlüpfen. Morgen kann das schon wieder ganz anders aussehen, dann siehst du Sonne selbst da, wo eigentlich gar keine ist. Ja, denn zu dazu bist du durchaus auch fähig. Also lehn dich zurück und akzeptiere diesen merkwürdig träge-antriebslosen Tag. Schließlich schöpfst du irgendwie ja auch deine Ideen daraus. Wer immer glücklich und zufrieden ist, dem fehlt zu oft am Ende doch das Gefühl für die breite Palette menschlicher Emotionen. Umso schöner, wenn du an solchen Tagen Menschen um dich hast, denen es genauso geht. Versucht euch gegenseitig hochzuziehen oder genießt es einfach zusammen in der Lethargie versinken zu können.

In diesem Sinne: Wolken verhangene Tage.

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