Moviewatch: „The Bling Ring“ – Weil es so schön funkelt

BLING RING

Wenn Sofia Coppola einen Film macht, wissen wir, es kann auf wunderbar subtil-knallige Weise einfach nur großartig werden. Wenn sich die talentierte Regisseurin dazu auch noch einen Stoff aussucht, der so absurd klingt, dass er eigentlich nicht wahr sein kann, es aber trotzdem ist, dann ist die Frau mit dem Blick für die menschliche Seele genau in ihrem Metier. „The Bling Ring“ heißt der neueste Coup und genau um einen solchen geht es auch. Der Inhalt: Eine Gruppe reicher, gelangweilter Vorstadtteenies bricht in die Häuser verschiedener Prominenter wie Paris Hilton, Lindsay Lohan und Co. ein, um sich ein wenig an Geld, Kleiderschrank, Schmuck und Accessoires zu bedienen. The Burglar Bunch geht 2009 genau mit diesen Raubzügen in die amerikanische Klatschpresse ein. Zu verrückt der Gedanke, dass diesen Kids mal eben das gelingt, woran so mancher Supergauner bisher wohl nicht einmal im Traum so richtig gedacht hätte. Coppola hat sich den Vanity-Fair Artikel, der nach der Verhaftung der Bande damals erschienen ist, zur Vorlage genommen und daraus ein visuelles Konsumspektakel gemacht. Aus the dem Burglar Bunch wurde der Bling Ring. Die Namen sind abgeändert, die Story beruht nach wie vor auf Tatsachen.

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Und so schnell der Inhalt mit den oberen Zeilen vielleicht schon beschrieben sein mag, umso mehr sollte man den Blick auf die Charakterzeichnung der Figuren werfen. Reiche Kids sind das, die dabei doch wie das average American Kid daherkommen. Aufgewachsen in L.A., die Eltern wohlhabend, meistens unterwegs oder wenigstens mit ein paar ordentlichen Spleens behaftet, sind Rebecca, Marc, Nicki, Chloé und Co. tagtäglich von Lifestyle und Glamour umgeben. Hollywood, die Traumfabrik, hat sie in ihren Bann gezogen, kaum dass sie sich selbst die Schuhe binden können. Partys, Promis und Klatsch bestimmen ihr Leben. Style ist das Dogma, dem sie ihr Dasein verschreiben. Hinter der Fassade scheint nicht viel. Die Clique hat die Regeln der Konsumwelt absolut verinnerlicht und exisitiert nur noch an der Oberfläche menschlichen Seins. Ihr Maß an Inszenierung scheint perfekt. Hier stehen sie ihren prominenten Vorbildern in absolut nichts nach. Ein Foto mit der besten Freundin hier, ein weiteres mit dem Drink in der Hand dort und achja, der neue Look muss dann ja auch noch irgendwie festgehalten werden. Doch wo keine Tiefe ist, stellt sich schnell Langeweile ein. Und so lassen sie sich treiben, von einer Party zur nächsten, dazu ein Abstecher in den aktuellen It-Club, Alkohol und Drogen immer Schlepptau. Der gewünschte Kick stellt sich trotzdem meist nicht ein.

Das Exzessive dieses Seins, das sich vorzugsweise in der Nacht abspielt, visualisiert The Bling Ring in einem permanenten Strom bunt-funkelnder Bilder. Mit jedem neuen Raub steigt die Euphorie, wächst das Ego, der diebischen Kids und zieht den Zuschauer bildgewaltig tiefer in den Sog des Glamourlebens. Wir sollen nicht nur sehen, was diese Welt, nach der die L.A.-Crowd hungert, ausmacht, wir sollen es zugleich auch fühlen. Wenn die Kamera den Charakteren auf Schritt und Tritt folgt oder uns mit Close-ups so nah wie möglich an sie heranlässt, macht sie uns fast schon zu Mittätern. Zwischen Gut und Böse unterscheidet der Film dabei kaum. Denn ebenso wie die Raubzüge von Rebecca und Marc in den Heimen ihrer vermeintlichen Idole, inszeniert Coppola durch eingespielte Realaufnahmen geschickt die Tatsache, dass in der schönen Scheinwelt des Sternen-Boulevards so ziemlich jeder etwas Dreck am Stecken hat. Kaum einer, der nicht zu seinem eigenen Vorteil handelt und, wenn es hart auf hart kommt, am Ende schließlich doch sich selbst am nächsten steht.

Ich knickse erneut vor Miss Coppola. The Bling Ring hat sich auf Anhieb in meine Top-3 ihrer Regiearbeiten gespielt. Wieder einmal beweist die Tochter des großen Fanrcis Ford, dass sich hinter bunt-leuchtenden Bildern manchmal mehr Tiefe verstecken kann, als so mancher wahrhaben mag. Das Dunkle unserer Seele kommt oft doch ziemlich funkelnd daher und manchmal können ein paar Schuhe einen eben doch ins eigene Verderben stürzen. Und gleichzeitig zeigt uns der Film einmal mehr, dass jeder von uns kommt einmal an den Punkt, an dem er nach dem Glamour der vermeintlichen Traumwelt lechzt. Der Trick ist, irgendwann zu erkennen, worauf es im Leben aber wirklich ankommt. Denn dann merken wir doch ziemlich schnell, dass grenzenlose Gier nicht nur gefährlich ist, sondern uns im belebtesten Raum, inmitten unserer ach so guten Freunde, doch zu ziemlich einsamen Menschen machen kann.

In diesem Sinn: Ein bildgewaltiger Konsumrausch und die Leere die dahintersteht.

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One Comment

  1. Eine Vorstellung zum Film habe ich vor einiger Zeit auch in der Sendung „ttt“ gesehen, wo er ebenfalls einen interessanten Eindruck hinterlassen hat. Mal sehen ob das in einem vernünftigen Kino läuft.

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