MBFWB: Fashionshow mal anders – Lena Hoschek, Perret Schaad & Franziska Michael

In der Modewoche reiht sich eine Show an die andere. Die Zeitfenster dazwischen sind knapp und manchmal ist es für die Designer gar nicht so leicht innerhalb des straff geplanten Timetables herauszustechen.
Redakteure, Blogger und Modehungriger, haben es dagegen oft schwer nach einem langen Tag, den wilden Wust gesammelter Eindrücke noch einwandfrei zuzuordnen. Wer auffallen will, der muss sich also irgendwie etwas einfallen lassen. Schließlich rundet eine gelungene Show ja auch irgendwie eine Kollektion ab. Hmm, vielleicht hatten unsere Lehrer, was ihrer Argumentation in Sachen Referate angeht, doch Recht. Jedenfalls, drei Labels, die auf dieser Fashion Week bewiesen haben, dass eine Präsentation manchmal nur ein paar geschickte Handgriffe braucht, um sie zu etwas ganz Besonderem zu machen, waren Lena Hoschek, Perret Schaad und Franziska Michael.

 

Lena Hoschek – Bilder: Yannic Pöpperling
Frau Hoschek, von der wir eigentlich schon obligatorisch eine gute Laune-Show erwarten, verzückte in dieser Saison mit einem Picknick-Motto. Der Catwalk, ausgelegt mit grünem Rasen, der Eingang zum Runway geschmückt mit Blumen und Sträuchern. Man fühlte sich auf Anhieb, wie auf einer Sommerwiese und die herrlichen 50ies und 60ies Kleider, mit schwingenden Pettycoats, puffämeligen Blusen und hochbundigen Shorts sowie Röcken riefen bei mir sofort Assoziationen an meine Lieblingsserie Mad Men hervor. Dazu eine passende sommerliche Musik aus derselben Zeitspanne und schon verwandelte sich das Modezelt für einen kleinen Augenblick in eine Wohlfühlsphäre einer längst vergangenen Epoche.

 

Perret Schaad – Bilder via PR
 
Das Berliner Designduo Perret Schaad entführte uns dagegen direkt aus dem Zelt heraus. Per SMS vom Vortag lotste man das Modevolk zur Neuen Nationalgalerie, wo uns statt Museumsrundgang ein Hauch von Voyeurismus erwartete. Denn, während die Models mit elfengleichen Schritten durch die im Raum platzierten Statuen wandelten, drückten wir uns die Nase an den Scheiben des gläsernen Kubus platt und fühlten uns im ein oder anderen Moment von unserer eigenen Sensationsgeilheit ertappt. Die Kollektion setzte dagegen mehr auf schlichte Eleganz. Lockere Schnitte mit flatternden Röcken umspielen in der kommenden Sommersaison zart die Haut. Der Körper bestimmt die Kleidung, nicht umgekehrt. Trotzdem zaubert ein Layering aus leichten, fließenden Stoffen, wie Seide oder luftigem Leinen eine den Körper formende Plastizität, wo sie angemessen scheint. Dazu passend gesellen sich asymmetrische Röcke oder Überwürfe hinzu. Farblich sind die Stücke zweigeteilt: Zum einen treffen wir auf gedecktes Grau, dunkles Blau und Silber. Zum anderen wird es durch sattes Gelb, knalliges Rot, Pink und leuchtendes Blau richtig bunt. Besonders im Kopf geblieben sind uns vor allem drei Dinge: Das Spiel mit Lagen und Transparenz, die Kombination von Gelb und Blau, von der wir nicht gedacht hätten, dass sie so gut funktionieren kann, sowie die Tatsache, dass sich Spaghettiträger wohl eine weitere Saison halten werden.

 

Franziska Michael – Bilder: Laura Sodano
 
Jungdesignerin Franziska Michael präsentierte ihre zweite Kollektion auf der Berliner Modewoche von vornherein im intimeren Konzept der Stage. Unter dem Überthema „Matchpoint transformierte sie die Bühne passend zur Kollektion zum Tennisplatz. Zwischen Tennisbällen und dem Sound eines ambitionierten Ballwechsels zeigte Michael uns neongrüne Neoprenkleidchen, Shorts und Badeanzüge und Jacketts mit kalaidoskopartigen Musterprints kombiniert mit Tennissocken und Schildkappen. Eine Kollektion, die zwar im Gesamten schlicht daherkommt, die aber gerade in den Schnitten das handwerkliche Können beweist. Schößchen und aufgepolsterte Ärmel sind symmetrisch genäht und sorgen im cleanen Look für den richtigen Kontrast. Vielleicht ein Grund, warum mir diese Kollektion wirklich gut gefallen hat.
Alles in allem betrachtet, drei schöne Shows und drei herrliche Kollektion, die so unterschiedlich sie in ihren Handschriften sein mögen vor allem eines gemeinsam haben: Die Liebe zum eigenen Design und wahrscheinlich den Wunsch mit der eigenen Mode die Welt ein klein wenig schöner zu machen.
In diesem Sinne: Laufsteg mal anders.

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