Die EPILOG – Gesellschaftswandel & Alltagskultur im Print

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Print ist tot! Das prophezeit uns die Medienwelt nun schon seit einigen Jahren. Gegen die unendlichen Weiten des WWW scheint kein Magazin, keine Zeitung ankommen zu können. Die Informationen fließen schneller, als jede Druckerpresse arbeiten kann und jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann zum rasenden Reporter werden. Eigentlich ist es doch ein Trauerspiel. Zeitschriften werden eingestellt, kaum dass die erste Ausgabe erschienen ist. Redakteure bangen um ihre Jobs und die, die noch übrig sind, müssen die klaffende Lücke ihrer entlassenen Kollegen füllen. Ein Teufelskreis. Denn wo Masse gefragt ist, hat Qualität selten eine Chance. Das zeigt sich leider auch bei den deutschen Tageszeitungen, die inzwischen täglich um ihr Überleben kämpfen. Die Frankfurter Rundschau z.B. hat diesen Kampf verloren. Andere tragende Zeitungen, wie die ZEIT planen ein Bezahlmodell für ihren Onlineauftritt. Dagegen schießen auf Banalitäten zielende Erzeugnisse, wie Frauenmagazine, Klatschzeitschriften und Co. wie Pilze aus dem Boden.

Umso mehr freut es, wenn man in dem unübersichtlichen Wust der Maintreamunterhaltung hin und wieder einmal über ein paar gedruckte Worte stolpert, die es auf Anhieb vermögen den Geist anzuregen.

Ein solches Magazin ist das frisch aus der Presse stammende DIE EPILOG. „Zeitschrift zum Gesellschaftswandel – Tendenzen der Alltagskultur“, so der Untertitel. Mads Pankow und Fabian Ebeling haben einen Master in Medienkultur. Als sie gerade mitten in der Abschlussphase steckten, entstand die Idee ein Magazin zu gründen, eines mit Köpfchen. „Die Epilog“ beschäftigt sich, geteilt in die vier Überthemen Gesellschaft, Medien, Ästhetik und Zeit, mit Kultur und eben der Gesellschaft unserer Gegenwart. Und so reiht sich in der ersten Ausgabe an die Frage nach der Rolle und der Funktionsweise des Idealismus, eine Abhandlung über den Facebook-Likebutton als „Beitrag zur digitalen Freundlichkeit“, dazwischen ein wunderbarer Essay über die Nostalgie. Fühlt sich manchmal an wie eine Medienvorlesung in der Uni und macht genau deswegen so ungemeine Freude. Denn während unser Bildungssystem zunehmend die Eingrenzung von Lehrstoff und die Anreicherung von Wissen via Creditpoints forciert, bringen Zeitschriften wie Epilog ein wenig Freigeist zurück ins Hirn. Auch wenn die ZEIT bei allem Lob dem frischen Magazin in Hinblick auf Formulierung und Thematik eine gewisse Schwere des Wortes unterstellt. Zugegeben, der Otto-Normal-Leser, der sich sonst an Beiträgen a la „Wie mache ich meinen Körper sommerfit?“ bereichert, wird mit „Die Epilog“ wohl eher weniger anfangen können. Wer dagegen aber seinen Kopf gerne dazu verwendet, abstrakte Theorien und etwas ungewöhnlicheren Denkansätzen nachzugehen, der wird mit dem Magazin seine Freude haben. „Die Epilog“ ist übrigens für 6 Euro im ausgewählten Zeitschriftenhandel oder dem Bahnhofsbuchhandel erhältlich. Die zweite Ausgabe ist für September 2013 geplant.

In diesem Sinne: Für mehr geistige Ambition. Print lebt!

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One Comment

  1. Mads

    Liebe Laura, vielen Dank für die tolle Rezension!

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