Pastell im Haar oder wider den Konventionen

Es ist schon so eine Sache mit Haaren – genauer gesagt den Haarfarben. Ich selbst habe viele Ausflüge in die bunte Palette der Colorationstöne hinter mir. Unfälle und hormonbedingte Geschmacksverirrungen haben mir gezeigt, was mir definitiv nicht steht und vor allem, dass Experimente meistens nur so lange spannend sind und Spaß machen, bis man sie wirklich durchzieht.
Meinen aktuellen Haarton, ein herrlich leuchtendes Rotblond liebe ich über alles. Und trotzdem klopft  da immer wieder einmal der vage Wunsch nach einer farblichen Veränderung an die Tür.
Das Problem an der Sache: Dem Fräulein gelüstet nicht nach Standardtönen, wie braun, rot oder schwarz. Im Gegenteil. Pastelliges Flieder, zartes Rosa und weißliches grau entfachen die Begierde.
Einfach machen, das Ganze einmal austesten, wäre schön. Aktuelle Trends geben uns ja nur zu gerne vor, dass diese Nuancen, inzwischen zum guten Ton das Haupt betreffend gehören. Die Realität sieht dagegen leider aber nach wie vor noch immer anders aus. Verankert im Job stellt sich schnell die Frage, in wie weit Pastell auf dem Kopf noch zur eigenen Persönlichkeitsentfaltung gehört oder zum Streitpunkt mit dem Chef werden kann. Denn bei aller vermeintlicher Liberalität bewegen wir uns doch noch immer in einer Welt, die sich dogmatisch an bestimmte Konventionen klammert. Freiheit ja, doch bitte aber nur soweit, dass sie andere nicht irritiert, stört oder sich gegen deren Bild von Normalität wendet. Gegenseitige Überwachung und Kontrolle werden uns praktisch in die Wiege gelegt. Was unseren standardisierten Werten nicht entspricht, das wird verurteilt. Doch was Bitteschön ist überhaupt Norm? Defacto verkörpert „Normalität“ doch nichts anderes als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner aus der großen Summe an Verhaltensweisen. Sozusagen ein Durchschnittswert, an dem wir uns für unser gesellschaftliches Zusammenleben orientieren.
Doch wer will schon Durchschnitt sein? Wir leben doch schließlich in einer Leistungsgesellschaft in der jeder stets ganz oben an der Spitze stehen will. Von Mittelmaß erkenne ich da nichts. Wir wollen doch „besonders“ sein und werden dabei nicht müde über die Hegemonie des Individualismus zu argumentieren. Dahinter blenden wir zugleich geschickt jene Uniformität aus, in der wir stattdessen stecken und und wie ein Hund, der sich in den eigenen Schwanz beißen will im Kreis drehen.
Bleibt schlussendlich die Frage, wo uns diese Krux unseres eigenen Verhaltens eigentlich hinführen soll. Erfahrungsgemäß ist das Prinzip des Sich-Selbst-Belügens nicht gerade das gesündeste. Und dass ein wenig mehr Toleranz oft gar nicht mal schlecht wäre, muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. Wieso also bleiben wir am Ende brav in unserem eigenen Käfig sitzen, jammern statt zu handeln und stehen uns gegenseitig mit repressiv beobachtendem Blick im Weg?
In diesem Sinne: Verdammt ich will pastell-rosafarbenes Haar!

 

2 Comments

  1. Also ich habe gerade dein Blog entdeckt. Ich suchte etwaszum Thema schwarzweiß-Trend und fand deine Zarabilder, die ich für ein Magazin verwenden möchte.
    Irgendwie bin ich dann hier hängengeblieben. Und dann schreibst du auch noch über rosa. Wo ich mir die Haare am Wochenende rosa mache.

    Ich bin jetzt Leserin.
    Ich find dich super!

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