Fashion Week Paris – Die Verzerrung der weiblichen Silhouette

Hermès via style.com
Endlich bin auch ich einmal dazu gekommen mich durch die zahlreichen vor Kurzem in Paris präsentierten Kollektionen zu klicken. Zugegeben bin ich dieses Mal von meinen sonstigen Favoriten wie Givenchy, Chloé oder der neugierig erwarteten ersten Umsetzung Hedi Slimanes für das Hause Saint Laurent Paris leider ein wenig enttäuscht gewesen. Für meinen Geschmack alles ein wenig zu verspielt, zu viel chichi und trotz diverser Variationen im Gesamtbild dennoch irgendwie zu klassisch.
Ganz anders dagegen zauberten mir die Designs von Hermès, Stella McCartney und – sei es dem aktuellen Hype geschuldet oder nicht – Kenzo ein verzücktes Lächeln ins Gesicht. Weite Silhouetten, ein gekonnter Mix aus fließenden Stoffen und festen Materialien, dazu zahlreiche rundlich aufgebauschte Ärmel, wie man sie inzwischen bereits bestens aus New York und London kannte. Die Farben gehen bei Hermes mit einem deutlichen Tick ins gelbe vermischt mit verschiedenen rötlich braunen Nuancen. Bei Stella McCartney findet die Palette dann ihre Erweiterung ins grüne und endet schließlich bei Kenzo in einer wahren Farbexplosion.
Doch was auf den zweiten Blick viel spannender sein dürfte, ist ein gemeinsamer Trend, der sich in den drei Kollektionen abzeichnet. Bei jedem der genannten Beispiele wird die klassisch-weibliche Silhouette aufgebrochen und optisch in die Länge verzerrt. Busen, Po und Taille spielen nicht mehr länger die übergeordneten optischen Blickfänge. Hosen, Röcke und Gürtel rutschen auf die Hüfte, die Schnitte werden weit bis rundlich gehalten, die Schultern verbreitert – bei Stelly McCartney teils deutlich überzeichnet. Androgynität angenähert an den männlichen Körperbau, so präsentiert sich Frau im kommenden Frühjahr/Sommer 2013. Dazu präsentieren sich die Looks meist hochgeschlossen, sei es durch komplett zugeknöpften Kragen oder Turtleneck.
Doch was hat das zu bedeuten? In Zeiten, in denen die Feminismusdebatte neuen Aufwind zu bekommen scheint und Slut Walks europaweit an der Tagesordnung stehen, deutet sich da vielleicht auch in der Mode eine Art neuer Typus Frau an? Verkörpert diese Reduktion von Weiblichkeit vielleicht ein neues Selbstbewusstsein? Eines, dass sich endgültig nicht mehr länger in die Rolle des zarten, schwachen Geschlecht drängen lässt. Frau steht von jetzt an selbst ihren Mann – wenn man es einmal so plakativ bezeichnen will – in einem straighten Look, der sich entweder, in uni gehalten, ein Stück Dezentheit bewahrt oder aber durch laute Farbigkeit beinahe kreischt. Frau kann alles, wenn sie will. Die Entscheidung liegt ganz allein bei ihr. Und unter dieser Prämisse betrachtet, erscheint der gekonnte Kniff zwischen einem Hauch später 50ies und aufgebauschten Schulterpartien bei Chanel oder die moderne Interpretation der Swinging 60ies bei Louis Vuitton, beinahe wie eine liebevolle Hommage an die Weiblichkeit, die nach einem kurzen ironischen Blick zurück, umso fester entschlossen in die Zukunft blickt.
In diesem Sinne: Eine neue Form von Weiblichkeit?

Stella McCartney via style.com
Kenzo via style.com

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