Meet up Tweet up Koons up – die SCHIRN lädt zum Blogger-Treffen

Im Rahmen der aktuellen Doppelausstellung Jeff Koons – The Painter and the Sculptor lud die Kunsthalle SCHIRN am vergangenen Donnerstag zum Blogger-Treffen mit anschließender Führung.
Im Zentrum des Zusammentreffens der zahlreichen Social-Media Menschen stand zunächst die Frage, in wie weit Blogs eine zunehmend tragende Rolle für Museen und andere kulturelle Institutionen spielen und worin Möglichkeiten und Chancen einer gelungenen Kommunikation zwischen PR-/Marketingabteilungen und Onlineschreibern liegen.
In ihrem Impulsvortrag eröffnete Mercedes Bunz zunächst den Blick auf den Rollenwandel von Museen zu Orten des Entertainment, die zunehmend Raum für eine breit gestreute Öffentlichkeit statt nur für einen elitären, avantgardistischen Kreis bieten. Doch in Zeiten, in denen der Faktor „Show“ immer bedeutender zu werden scheint, müssen kulturelle Institutionen darauf achten, den Austausch auf inhaltlicher Eben zu bewahren. In diesem Feld verortet Bunz schließlich Blogs. Aufgrund der Subjektivität, durch die sich diese sich auszeichnen, schärfen sie wie eine Art Filter den Blick auf bestimmte Aspekte und Perspektiven. Trotz des informationellen Gehalts, grenzt sie das Bloggen dabei aber grundsätzlich vom Journalismus ab. Ein Blog sei grundsätzlich gekennzeichnet durch die Autonomie seines Schreibers. Matthias Planitzer vom Kunstblog „Castor & Pollux„, der kürzlich mit dem Lead-Award ausgezeichnet worden ist, argumentiert in eine ähnliche Richtung, wenn er die meinungsbildende Rolle von Blogs im öffentlichen Kontext betont und Ausblicke auf Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Blogs gibt.
Doch so positiv Blogger und ihre Arbeit in den Vorträgen wahrgenommen werden – dies betonte auch die Presseabteilung der SCHIRN explizit – zeigte sich zugleich, dass viele andere Institutionen den subjektiven Onlineschreibern nach wie vor mit Misstrauen gegenüber treten. „Der Blogger das unbekannte Wesen sozusagen. Wo kommt er her und was will er?“
Das ist schade, zeigt sich doch genau an diesem Punkt wie viel kommunikatorisches Aufbaupotential noch gegeben ist. Leider kristallisierte sich auch einmal mehr die Uneinigkeit innerhalb der Blogosphäre selbst heraus. Die Heterogenität der Begrifflichkeit des Bloggers zeichnet sich dort als ein Problem ab, wo Konkurrenz und Missmut aufeinandertreffen. Die Tatsache, dass ein kleiner Teil inzwischen mit seinem Blog Geld verdient und einen Teil des eigenen Einkommens bestritet, mag erfreulich sein, wird jedoch dort zum Streitpunkt, wo privaten Schreibern von dieser Gruppe die Teilnahme an professionellen Veranstaltungen und dergleichen angekreidet wird. Unternehmen werden auf diese Weise in Versuchung geführt gratis – direkt oder indirekt – Werbung zu schalten, wobei fraglich bleibt in wie weit der Fokus dann noch auf der inhaltlichen Komponente liegt. Daran knüpft sich auch der Aspekt, dass online prinzipiell jeder sich ein eigenes Sprachrohr schaffen kann. Doch kann die Lösung nicht bedeuten, dass Blogger sich untereinander bekriegen. Vielmehr sollte das Miteinander in der Weise im Fokus stehen, dass man allgemeingültige Leitfäden entwickelt, in denen gewisse Grundsätze festgelegt sind. Außerdem sollte jeder, der ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit mit seinem Format generiert, von sich aus an einem bestimmten Punkt anfangen über ethische, moralische aber auch rechtliche Faktoren Gedanken zu machen.
Und so besteht für mich nach einem spannenden Panel das Resümee darin, dass eine ambitionierte, seriöse Herangehensweise an das Phänomen Bloggen durchaus positiv wahrgenommen und honoriert wird. Außerdem, so hat sich einmal mehr gezeigt, befindet sich die deutsche Blogosphäre zwar auf einem guten Weg, scheint aber ihren Kinderschuhen noch lang nicht entwachsen sein.
In diesem Sinne: Für mehr Interaktion zwischen Bloggern, Institutionen und Öffentlichkeit.

2 Comments

  1. Stand heute kann ich für meinen Teil an diesem Event leider nichts weiter als die Vereinnahmung von Blogger/innen für weitere Publicity für die Ausstellung der veranstaltenden Institution feststellen.

    Interessieren würde mich jedoch, woran Du es festmachst, daß sich die deutsche Blogosphäre auf einen guten Weg (wohin?) befindet.

  2. Die Aussage, dass sich die deutsche Blogosphäre auf einem guten Weg befindet, gründet eher auf meiner subjektiven Meinung. Ich habe einfach das Gefühl, das aus dem Bereich, aus dem ich sozusagen herkomme, sich allmählich ein Gefühl für Gemeinschaftlichkeit entwickelt. Und nachdem man Blogger lange nur als merkwürdige Wesen, die online ihren Senf zu den Dingen dazu geben wahrgenommen hat, habe ich das Gefühl, dass sich, wenn auch leider nur in Ansätzen, allmählich eine Tendenz dahingehend entwickelt Blogger, die inhaltlich arbeiten ernst genommen werden. Wie gesagt aber alles eine rein subjektive Betrachtung.

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