MBFW Berlin: Im Kino mit Patrick Mohr – MetamoHrphose

Patrick Mohr wolle nicht mehr als „enfant terrible“ der MBFW gelten – etwas derartiges habe ich vor Kurzem erst in einem Vorbericht zur Modewoche gelesen. Vielleicht aus diesem Grund präsentiert sich der Designer, der sich selbst stets zwischen Kunst und Mode verortet, in dieser Saison in deutlicher Nähe zu ersterem. Die Kollektion an sich kam als eine tragbare, vergleichsweise schlicht gehaltene daher. Sommerliche Töne, die übergeordnet eine Farbpalette zwischen pastellblau, rosé und weiß bedienen, treffen auf Baumwolle. Fransen und Tücher sorgen für Leichtigkeit und verleihen den Looks teils einen Hauch des Hippieresken.
Umso spannender dagegen aber die diesjährige Inszenierung. Raus aus dem Zelt, rein ins Kino könnte das Motto lauten – genauer gesagt: auf nach Babylon. Im Kino am Rosa-Luxemburg-Platz scheint zwar zu Anfang die Präsentation der Kollektion in Studio-Manier im Vordergrund zu stehen. Das eigentliche Highlight bildet aber das anschließende Screening eines aufwendig geastalteten, herrlich surrealen Modefilms. Dort schafft Mohr unter dem Titel „Metamohrphose“ eine Brücke zwischen Vergangenheit und Futurismus, zwischen christlich-religiösem und Orgie. Mit dabei die beiden Vorzeige-Berliner Bonnie Strange und Herzensmann Wilson-Gonzales Ochsenknecht. Schnelle Schnitte, Split-Screen, Close-ups, effekthascheriche Licht und Soundeffekte, der Film kommt in bester Clipästhetik daher. Und Mohr greift mit den Bewegtbildern einen Trend auf, der in der Modewelt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Modefilm ist aus dem Business längst nicht mehr wegzudenken, wie auch das diesjährige Berlin Fashion Film Festival beweist. Und wieder einmal deutet Patrick Mohr die Zeichen der Zeit richtig und etabliert sich zu einem der Vorreiter in diesem Bereich.
In diesem Sinne: Ein Künstler auf seinem Gebiet.

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