Schattentanz auf Spitzenschuhen

     Bildquelle: 1-3 – kino.de (via Fox); 4-6 Screenshots, Trailer (ich)
Das Ballett eine Kunstform, für die Bühne gemacht. 
Der Dialog der Tänzer miteinander, die Atmosphäre, die gesamte Inszenierung lebt im Prinzip von der Totalität der Szenerie. Stellt sich die Frage ob und wie, das im Film umgesetzt werden kann. Ein Medium, das in gewisser Weise gegensätzlich arbeitet, indem es den Körper zerlegt, um seine Wirkung durch die Hervorhebung von Details zu betonen. 
Dienstag habe ich mir mit Freunden Black Swan angesehen. 
Bereits im Vorhinein gab es reichlich Lesestoff sowie den typischen Medienhype um diesen Film.
Im Mittelpunkt der Handlung steht eine junge Frau mit dem Traum die Solorolle in der Neuinszenierung von Schwanensee ihrer Company zu bekommen. Und siehe da, ihr Wunsch wird ihr erfüllt. Soweit könnte damit die Geschichte abgehakt sein und ganz in der Tradition vieler anderer Tanzfilme dem Kitsch verfallen. Doch was nun folgt ist ein düsteres Labyrinth, in dem sch sowohl die Hauptfigur, als auch der Zuschauer wieder finden. Mühsam sucht man zunächst den Weg nach draußen, doch immer wenn man glaubt es durchschaut zu haben, wird man eines besseren belehrt. 
Es ist schwer den Film genauer zu beschreiben ohne dabei einen bedeutenden Teil der Handlung vorweg zu nehmen. 
Fest steht, dass die Geschichte eine Weile braucht, bis sie in Fahrt kommt, doch mit einem Mal reisst sie den Zuschauer in einen Strudel und lässt ihm kaum noch Luft zum Verschnaufen. 
Wunderbar inszeniert Regisseur Aronofsky ein Spiel aus Licht und Schatten, Hell und Dunkel, dass nicht nur die Zerrissenheit seiner Hauptfigur charakterisiert, sondern auch tragend für die Atmosphäre des Films ist. 
Natalie Portmann spielt ihre Rolle unheimlich gut. Man nimmt ihr den steigenden Wahnsinn wirklich ab. Ihre Wandelbarkeit unterstreicht zudem die fabelhafte Arbeit der Maske. 
Die Kamera folgt ihr auf Schritt und tritt, oft ohne jegliche Distanz. Das sorgt für den nötigen Nervenkitzel. 
Atemberaubend vor allem die Tanzszenen, ich hätte nie erwartet, dass ein Close-up der Füße in Kombination mit dem bereits erwähnten Licht-Schatten Kotrast eine so starke Wirkung erzielen kann. Die Kostüme, der Tanz, der Schnitt, die Musik – das alles erzeugt malerische Bilder, die mich fasziniert haben.
Die Welt des Ballett erscheint Außenstehenden oft, geheimnisvoll und unzugänglich. Die Folge sind Vorurteile. Mit diesen arbeitet Aronofsky, das mag man ihm vorwerfen. Von der Bulimie der Tänzerinnen und ihrer psychischen Labilität aufgrund des permanenten Drucks, bis hin zur sexuellen Begierde des Lehrers nach seinen Schülerinnen, er bedient sich reichlich am Reperatoire. Doch genau diese Stereotype treiben die Handlung voran. Nebenbei eröffnet sich die tiefe Leidenschaft der Ballerinas für ihre Lebenswahl. Das Tanzen ist nicht nur ein Beruf, es verlangt den Beteiligten eine Unmenge an Disziplin ab. 
Alles in allem habe ich das Kino zwar ziemlich verstört, aber auch mit absoluter Begeisterung für diesen Film verlassen. Und irgendwie habe ich immer noch ein wenig die Leitmotiv von Schwanensee im Ohr.
In diesem Sinne: Ansehen!

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